Dienstag, 27. Juli 2010

Montag, 12. Juli 2010

Von Sue Monk Kidd

aus dem Buch: Schule des Lebens:

Unsere Regionalzeitung brachte das Bild eines hauses mit eingefallenem Dach. Das Wohnzimmer war hüfthoch mit Schnee bedeckt. Auf dem Sofa, den Stühlen und Tischen- überall lag Schnee. Die Bildlegende lautete: "Wochenlanger Schneefall lässt Dach einstürzen". Der Besitzer hatte tatenlos zugesehen, wie der Schnee sich auftürmte, bis alles plötzlich herunterkam.
Es ist natürlich einfach, über solche Nachlässigkeit den Kopf zu schütteln. Aber mir ist dasselbe schon mit meiner Wut passiert. Sie sammelte sich an- eine stille Gereiztheit hier, ein unterdrückter Ärger da-, bis das Dach überlastet war und bereit, über jemandem zusammenzukrachen.
In Abwandlung des Sprichwortes könnte man auch sagen: Wut ist ein schlechtes Ruhekissen. Man sollte sich ihrer noch vor dem Zubettgehen entledigen. Deshalb habe ich mir vorgenommen, sie täglich wegzuschaufeln.

Samstag, 10. Juli 2010

Eine Geschichte zum Nachdenken

Auf dem Vordersitz ihres Wagens lag ein Stapel frisch gebügelter Kleider. Ich bemerkte, dass ein paar Knöpfe mit nicht passendem Faden wieder angenäht und die Stiche der Saumnähte alles andere als gleichmässig waren.
"Wer hat bloss diese Kleider geflickt?", fragte ich.
"Meine Nachbarin", sagte sie. "Sie ist achtzig und lebt allein".
"Aber du bist eine erstklassige Näherin. Du hättest das viel besser gemacht."
"Oh, mag sein. Aber meiner Nachbarin das Gefühl zu geben, gebraucht zu werden, ist mir wichtiger, als perfekte Kleider zu haben."

aus dem Buch: Schule des Lebens von Sue Monk Kidd